Am 22.06.26 fand in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei Ostfildern mit den Klassen 8e, 9e und Schülerinnen und Schülern aus der Klassenstufe 10 eine spannende und interaktive Buchlesung mit dem Berliner Autor und Quartiersmanager Fadi Saad statt. Eindrucksvoll schilderte Saad dabei seine eigene erlebnisreiche und wechselhafte Biographie als Kind einer palästinensischen Migrantenfamilie mit Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen. Saad stellte sein Leben mit der Berliner Jugendgang „Araber Boys 21“ sowie seinen damit verbundenen schulischen Abstieg dar.
Dabei las er immer wieder Passagen aus einem Buch „Der große Bruder von Neukölln“ vor und trat dann flexibel und wertschätzend, aber auch mit klarer Haltung zu Demokratie und deutschem Rechtsstaat ins Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern ein. Saad streifte mit den Jugendlichen Fragen, welche eine immer wichtigere Rolle in unserer Gesellschaft einnehmen: Warum glaubt mir niemand, dass ich Deutscher bin? Was sind Vorurteile? Was sind Gemeinsamkeiten zwischen Christen, Juden und Muslimen? Wo beginnen Fremdenhass, Rassismus oder Diskriminierung? Wo beginnen häusliche Gewalt und Unterdrückung in einer Beziehung? Was hat es mit Ehre und Stolz auf sich? Was kann jeder Einzelne tun? Wer hilft den Opfern? Wer sind meine wahren Freunde?
Fadi Saad berichtete auch, wie er selbst die Kurve kriegte und seinen Schulabschluss und eine Ausbildung nachholte. Er arbeitete dann mit gefährdeten Jugendlichen in benachteiligten Gebieten und half ihnen, den richtigen Weg zu finden. Er wurde zu einem der prominentesten Unterstützer für den interkulturellen Dialog in Deutschland. 2006 begann Fadi Saad seine Arbeit als Quartiersmanager und konnte im selben Jahr im Rahmen eines Seminars des Deutsch-Französischen Jugendwerks sogar an einem Ministerratstreffen in Paris teilnehmen. Für sein Buch und seine vielfältigen Tätigkeiten in der Jugendarbeit wurde er mit vielen Preisen ausgezeichnet, u. a. 2007 mit dem InterDialogPreis zur Förderung des interkulturellen Austauschs und Zusammenlebens in Berlin und mit dem Deutschen Förderpreis Kriminalprävention 2009 und 2011. Sein großes Engagement erklärt Saad selbst so: „Mein Leben habe ich in diesem Buch auch deshalb aufgeschrieben, weil ich zeigen will, dass es sich lohnt, niemals aufzugeben. Nicht sich selbst – und im Übrigen auch nicht andere!“
Text und Foto: R. Riedl














